Die Fluchtgeschichte, zumindest 7-8 von insgesamt 21 Fluchttagen habe ich für und mit Najd Boshi auf Papier gebracht. Eine spannende und ergreifende Geschichte. Frau Boshi ist  Gastkünstlerin an meinem Tag des offenen Ateliers. Dazu erscheint ein VideoKurzClip und diese Broschüre. 

Auflage 50 Exemplare, 28 Seiten, erscheint zum Tag des offenen Ateliers 2019, VERGRIFFEN

Zwischen der Hölle
der Heimat und

dem Glück des Exils

Auszug aus der Broschüre (Aufenthalt auf einer kleinen Insel):

Gepäck ist noch ihr Trinkwasser. Alle aber tragen viel Gottvertrauen mit, denn sie sind den knappen Anweisungen des Schleusers komplett ausgeliefert. Ohne seine Anweisungen wissen sie nicht weiter. Ein Zurück gibt es jetzt nicht mehr. 

Der Schleuser schickt die bereits erschöpfte Grup- pe an den See. „Dort würde ein kleines Schiff
auf sie warten, das sie sofort nach Griechenland bringen wird“, sagt er. Als die Gruppe sich auf- machte, ist kein Schiff weit und breit zu sehen. Die Geflüchteten wollen erneut den Schleuser anrufen, doch die zwei Mitarbeiter des Schleusers, die die Flüchtlingsgruppe begleiten, beruhigen die Gruppe und ermutigen sie zu warten bis das Schiff kommt. Geduldig warten sie. Es ist kalt. Sie sind sehr müde und erschöpft, es ist ihre erste Nacht auf dem Bo- den. 

Erschöpft, versucht Najd zu schlafen und legt ihren Kopf auf ihren Rucksack. Nicht ein Traum läßt ihre Nase plötzlich einen süßen angenehmen Lorbe- erduft riechen, den sie von zuhause so gut kennt. Nein, im Rucksack entdeckt sie eine eingewickelte Lorbeerseife in dem kleinen Schal, den ihr ihre Tochter, die in Aleppo zurückblieb, heimlich ein- 

wickelte. Zuhause sagte die Tochter ihrer Mutter „Mama, der Schal bringt Dir Glück!“. Als mir Najd das erzählte, ging wieder einmal, wie so oft, die Sonne in ihrem Gesicht auf. Und so war auch ihr Gefühl, als sie den Schal entdeckte. 

Doch der Schlaf dauert nur zwei Stunden, die Gruppe friert, wacht auf, steht auf, bewegt sich. Gymnastik wird gemacht, sie müssen warm wer- den. Immer noch ist kein Schiff in Sicht. Allmählich geht die Sonne auf und als sie untergeht war die Situation unverändert. 

Die Schleuser-Helfer vertrösten die Gruppe und sagen am nächsten Morgen kommt das Schiff.
So ging das einige Tage in Folge, insgesamt drei Tage. In der Zwischenzeit hungert die Gruppe vor sich hin, ihr Wasservorrat geht zur Neige und sie frieren ständig. Obwohl ihnen nicht erlaubt ist zu rauchen, noch ein Feuer zu machen um sich zu wärmen, taten sie zweiteres dennoch ein einziges Mal. Die Mitarbeiter des Schleusers laufen sofort hysterisch zum Feuer um es zu löschen. Schimp- fend rufen sie auf türkisch, dass es viel zu ge- fährlich sei, die türkische Polizei würde uns sofort nden“. Zum Glück passiert nichts. 

Wenn die Sonne untergeht, also mitternachts,
sagt der Schleuser
„...müsst Ihr 3 Stunden laufen“. 

Tatsächlich läuft die Gruppe mit insgesamt 42 syrischen Flüchtlingen von Mitternacht bis 4.00 Uhr morgens zu Fuß über Berg und Tal. Im 5kg