"my story"

Ich selbst definiere eher selten, was ich konkret mit einer Figur bzw. Typen ausdrücken will. Das 

machen die Figuren und der Betrachter schon ganz alleine miteinander aus. Zudem ist meist nichts wirklich eindeutig.
Was will oder soll mir eine Frau mit Flossenfüßen und Flossenarmen sagen?
Oder ein Fisch auf Stöckelschuhen?
Eine Badende, aus deren Kopf ein kleines Mansch- kerl rausragt und durch ein Fernrohr schaut?
Ob es sich um einen Spanner oder einen Navi- gator handelt, der die Frau mit einem Fernrohr begleitet, bleibt bewusst offen. 

Meine Figuren erzählen ihre Geschichten selbst, sie treten in den Dialog mit ihren Betrachtern. 

Im besten Falle begegnen und tauschen sie sich aus. 

Im idealen KünstlerDasein probiert man aus. Vielleicht flunkert man aber auch mit Erfolgs- reproduktionen und spielt mit dem Teufel der Gefälligkeit. Solange es ernährt, erlaube ich mir darüber kein Urteil. Versucht und ausprobiert habe ich mich auch in anderen Gebieten.
Suchend bin ich heute noch, auch nach 14 pro- fessionellen KünstlerJahren. 

Ich denke, die Unperfektion, die auch Grundlage des Ausprobierens ist - ähnlich wie beim Forschen -, ist Teil meines Daseins und somit auch meiner Arbeit. Sie ist Teil meiner Story.

Mein Streben ist, mit meinen Arbeiten ganz bei mir zu sein, ungeachtet zeitgenössischer Srömungen. 

Mit Humor, Verständnis und Nachsicht den menschlichen Schwächen zu begegnen, ist meine künstlerische und gesellschaftliche Aussage. 

Wenn ein Betrachter beim Anblick meiner Figuren schmunzelt, haben diese ihren Zweck erfüllt. Darum geht es doch, gute Gefühle im Menschen zu erwecken. 

Der Versuch, meine "my story" zu schreiben

Über meine Arbeiten, 2018 

 

„Storytelling“ - ein zeitgemäßes Marketing- instrument moderner Unternehmen. Im Mittel- punkt stehen dabei persönliche Erlebnisse von MitarbeiterInnen mit Produkten des Hauses. Darüber hat eine Workshopteilnehmerin ein sehr erfolgreiches Buch herausgebracht, das mich selbst animierte nachzudenken, was denn „meine“ story sein könnte. Das kam dabei heraus:

Was kennzeichnet mein persönliches Erleben mit meinen Figuren? Brüche. Wörtlich gemeint.
Nicht oft, aber immer wieder, erst neulich, als ich intensiv an einer neuen Reihe arbeitete. 

Die Arbeitsprozesse dauern an, bis schließlich eine Figur fertiggestellt ist. Das Modellieren passiert in unterschiedlichen Etappen. Figuren müssen trocknen und in den Brennofen geräumt werden. In diesem Zustand sind sie höchst zerbrechlich. Nachdem sie den ersten Brand durchlaufen haben, werden sie stundenlang liebevoll bemalt und glasiert. Kürzlich aber ist mir eine aufwendige, gut gelungene Figur selbstverschuldet umgefallen und das dünne Kleidchen ist weggebrochen. 

Da fließen dann schon einmal die Tränen 

und ich frage mich warum ich das alles in Kauf nehme?! An solchen Tagen hadere ich zuweilen mit meinem KünstlerInnen-Dasein, das zeitweise schwierigen Verhältnissen ähnelte. Als KünstlerIn braucht man jedenfalls die innere Bereitschaft zum Scheitern und ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz. Wäre da nicht 

die Neugier und der Drang nach Verbesserung stärker als die Angst vor dem Versagen oder vor der Gefahr des Einschlafens in der Hängematte der Mittelmäßigkeit und der Wiederholung. 
 

Lichtmomente sind, wenn ich Zeit und Raum beim bloßen Tun vergesse. Und der Dank von langjährigen Sammlern, die sich nach Jahren immer noch an einer erworbenen Hilo-Figur erfreuen.